Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod oder: Warum es nicht nur auf das Was, sondern auch auf das Wie ankommt

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[Beitrag: Daniela Clauss]

„Gründlichkeit und Genauigkeit sind zwei Merkmale wissenschaftlichen Arbeitens“. [1] Viele Studierende beziehen dies zwar auf ihre eigene Forschung, der sie sich z.B. im Labor widmen, und dokumentieren gewissenhaft ihre Ergebnisse. Wenn es dann aber um den konkreten Text geht, ist es oftmals mit der Gründlichkeit und Genauigkeit nicht mehr weit her. „Na und, was soll’s, ich will ja keinen Literaturnobelpreis, welche Rolle spielen schon irgendwelche sprachlichen Feinheiten, wichtig sind doch allein meine Ergebnisse, die ich wochenlang erarbeitet habe!“, so die weitläufige Meinung.

Die meisten Studierenden sehen bei ein paar Grammatikfehlern hier und da keinen Handlungsbedarf, wenn sie ihnen denn überhaupt auffallen. Doch es ist keinesfalls ratsam, sich darauf zu verlassen, dass diese Fehler auch vom Leser aka dem Noten gebenden Betreuer unbemerkt bleiben. Tummeln sich in einer wissenschaftlichen Arbeit auf jeder Seite mehrere Kommafehler oder stimmen die Wortendungen nicht mit dem erforderlichen grammatikalischen Fall überein – oder über welche Hürde der deutschen Sprache man sonst so stolpern kann – kann der Eindruck entstehen, der Verfasser habe seinen Text mit der heißen Nadel gestrickt und nicht den erwarteten Arbeitsaufwand investiert, was sich dann negativ auf die Note auswirken kann.

So ist die Auseinandersetzung mit der Sprache nicht nur Angelegenheit eines Germanisten, sondern auch Technik- und Naturwissenschaftlern sei geraten, spätestens in der Korrekturphase den eigenen Text auf sprachlicher Ebene kritisch zu überprüfen. Komplizierte Sachverhalte so darzustellen, dass sie für den Leser nachvollziehbar sind, ist eine nicht zu unterschätzende Herausforderung, die ein Studierender in seiner Abschlussarbeit meistern muss. Statt möglichst viele Informationen in einen Satz zu packen, wird der Text durch einfachere Satzstrukturen verständlicher. Mehr als zwei Nebensätze machen es dem Leser nämlich schwer, sich im Satz zu orientieren, da er die Bezüge zwischen den unterschiedlichen Teilsätzen nicht mehr klar herstellen kann. Kommen zu unnötig komplizierten Formulierungen – die von vielen Studierenden absichtlich konstruiert werden, weil sie gerade diese fälschlicherweise für ein Merkmal von Wissenschaftlichkeit halten – auch noch grammatikalische Fehler hinzu, so wird es für den Leser fast unmöglich, den Inhalt zu verstehen.

„Wichtig sind doch allein meine Ergebnisse“ stimmt nur insoweit, wenn die Ergebnisse verständlich dargestellt werden. Zu dieser Verständlichkeit trägt eine korrekte (Wissenschafts-)Sprache wesentlich bei. Apropos „meine“ Ergebnisse: in der Wissenschaftssprache Deutsch taucht in den meisten Disziplinen die erste Person Singular nicht auf. In der Schreibberatung zeigen die TutorInnen anhand von Beispielen, welche Punkte es außerdem zu beachten gilt und helfen den Studierenden dabei ihre Texte sprachlich zu verbessern.  Ziel ist es, durch eine ansprechende sprachliche Gestaltung gemäß den Gepflogenheiten in der Wissenschaftssprache Deutsch dem Leser die Ergebnisse verständlich zu präsentieren und ganz nebenbei zu erreichen, dass er die vorliegende Arbeit gerne liest.

PS: Die letzte Deutschstunde ist schon ein Weilchen her? Z.B. auf  http://www.duden.de/sprachwissen/rechtschreibregeln/komma können die Regeln zur Kommasetzung aufgefrischt werden. Weitere Ausführungen zur sprachlichen Gestaltung findest du in unserem FAQ Bereich unter der Rubrik „Wissenschaftssprache“ https://www.hoc.kit.edu/5489.php

 

Literatur

[1] Rost, F. und Stary, J. 2008. Schriftliche Arbeiten „in Form“ bringen. Zitieren, Belegen, ein Literaturverzeichnis anlegen. In: Franck, N./Stary, J. (Hrsg.): Die Technik wissenschaftlichen Arbeitens. Eine praktische Anleitung. Paderborn und andere: Verlag Ferdinand Schöningh.

 

Der Dativ ist dem Genitiv sein Tod oder: Warum es nicht nur auf das Was, sondern auch auf das Wie ankommt

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