Comeback nach Plagiatsaffäre: Politik und Wissenschaft – ein Vergleich

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[Beitrag: Sandra Schneck] Karl-Theodor zu Guttenberg, na klingelt’s? Einige wenige werden sich jetzt an den Mann erinnern, der als Verteidigungsminister große Reden über den Nahen Osten, Nordkorea bis hin zu China schwang. Die meisten werden sich jedoch an die Guttenberg-Plagiatsaffäre erinnern. Seit jüngster Zeit kursieren nun Gerüchte über eine Rückkehr des Politikers. Für mich ist das ein Anlass, die beiden Systeme Wissenschaft und Politik hinsichtlich geltender Normen zu betrachten: Was darf Politik, was gegen die gute wissenschaftliche Praxis verstößt?

  1. Diebstahl von fremden Gedankengut

Zur guten wissenschaftlichen Praxis gehört die Kennzeichnung fremden Gedankenguts. Im Text wird dies durch entsprechende Textbelege getan. Die ausführliche Quelle steht am Ende jeder wissenschaftlichen Arbeit, im Literaturverzeichnis, sodass diese objektiv nachvollziehbar ist.  Und wie ist das mit politischen Texten? Ich persönlich habe Frau Merkel noch nie sagen hören: „Diese Informationen stammen aus dem Werk von xy“ oder „Hier möchte ich gerne xy zitieren“. Übrigens verstößt man auch dann gegen die gute wissenschaftliche Praxis, wenn man die Ideen aus den eigenen Reihen klaut, etwa Ideen, die man im Arbeitskreis mündlich aufgeschnappt hat. Werden diese schriftlich oder mündlich als eigene Ideen verkauft, gilt dies als Verstoß. Und in der Politik? Melania Trump erntete heftig Kritik, nachdem sie Teile der Rede Michelle Obamas in ihre eigene Ansprache einfließen ließ. CNN veröffentlichte am 19.Juli direkt ein Video, indem beide Reden parallel ablaufen. Die Beteuerungen Jason Millers, Kommunikationsberater der Familie Trump, dass die Redenschreiber sich an der Kindheit der jetzigen First Lady orientiert hätten, machen die Sache nicht besser und bringen uns zum zweiten Punkt.

  1. Ghost Writing

Kommen wir noch einmal auf die guten Reden des Herrn zu Guttenberg zurück. Ihr fragt Euch jetzt, woher der liebe seine Reden klaut? Da kann ich Euch ein Stück weit beruhigen, hinter jede*r guten Politiker*in steht eine Handvoll noch besserer (Politik-)Wissenschaftler*innen. Wieder ein entscheidender Unterschied zwischen Wissenschafts- und Politiksystem. Ghost Writing verstößt selbstverständlich gegen die gute wissenschaftliche Praxis, stellt es doch die Königsdisziplin des Plagiierens dar. Hier der Hinweis, nicht alles was im Internet käuflich ist, ist im Sinne der guten wissenschaftlichen Praxis zulässig! In Bezug auf die Dissertation zu Guttenbergs wurden auch in diese Richtung Gerüchte laut. So fragte der Tagesspiegel süffisant, wer eigentlich immer das ES in den Beteuerungen des Herrn zu Guttenberg ist („Es wurde zu keinem Zeitpunkt bewusst getäuscht…“). Nachweißen ließen sich diese Vermutungen nicht, am aberkannten Doktortitel hätte dies so oder so nichts mehr geändert.  Festhalten lässt sich jedoch: Was in der Politik Alltag ist, zieht im wissenschaftlichen Kontext harte Folgen nach sich!

  1. Zum Umgang mit wissenschaftlichem Fehlverhalten

Tritt im wissenschaftlichen Kontext ein Verdachtsmoment auf, wird zunächst ein Vorverfahren eingeleitet. Am KIT wird hierfür die Ombudsperson für gute wissenschaftliche Praxis eingeschaltet, die die beschuldigte Person über den Verdacht informiert. Innerhalb von zwei Wochen hat diese die Möglichkeit einer Stellungnahme unter rechtlichem Beistand abzulegen.  Bleibt der Verdacht bestehen, berät die Kommission für gute wissenschaftliche Praxis über entsprechende Konsequenzen. Im Falle zu Guttenberg entzog die Universität Bayreuth am 23. Februar 2011 den Doktortitel. 6 Tage später folgten dann die politischen Konsequenzen; zu Guttenberg legt alle Ämter nieder. Dieses Jahr dann die Gerüchte über ein politisches Comeback, das er selbst jedoch ablehnt. Aber alleine die Chance einer Rückkehr und die explizite Werbung seiner Parteikolleg*innen drängt mir förmlich eine Schlussfolgerung auf: Nur wer besser täuscht kommt in der Politik groß raus!

P.S.: In journalistischen Texten ist es unüblich nach wissenschaftlichen Standards zu zitieren. Aber aus persönlicher (Praktikums-)Erfahrung weiß ich, dass die Zeitung mit den großen Buchstaben und den vielen Bildern gerne mal bei lokalen Radiosendern anruft und sich darüber beschwert, dass sie als Quelle nicht genannt wurde. Auch im journalistischen Bereich besteht also der Codex fremdes Gedankengut von eigenen Ideen abzugrenzen. Anders als in wissenschaftlichen Texten reicht es jedoch aus, das jeweilige Medienunternehmen zu nennen. Da es sich bei einem Blogeintrag selbstverständlich um keinen wissenschaftlichen Text handelt, genügen meine Textbelege folglich keinen wissenschaftlichen Standards!

Comeback nach Plagiatsaffäre: Politik und Wissenschaft – ein Vergleich

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